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Bessere Alternative zu Koffein aus dem Kucha-Tee?

Theacrine ist ein chemisch sehr eng mit Koffein verwandtes Alkaloid aus einer seltenen Tee-Pflanze, allerdings mit dem großen Unterschied, dass es offenbar eine deutlich langsamere Toleranzentwicklung mit sich bringt und auch generell eine längere und etwas andere Wirkung hat.

Inhalt anzeigen
  1. Was ist Theacrine?
  2. Wirkung im Körper
  3. Leistung und Fokus
  4. Theacrine vs. Koffein
  5. Nebenwirkungen & Einordnung
  6. Einordnung
  7. Quellen
Auf einen Blick
  • Theacrine ist ein Purin-Alkaloid, chemisch eng mit Koffein verwandt, das vor allem in Kucha-Tee (Camellia kucha) vorkommt.
  • Es wirkt über ähnliche Systeme wie Koffein, unter anderem das Adenosin-System – eine achtwöchige placebokontrollierte Studie fand aber keine Gewöhnung, wie sie bei klassischen Stimulanzien typisch ist.
  • Die Humanstudien sind klein (15 bis 60 Teilnehmer) und teils nur als Konferenz-Abstract veröffentlicht – deutlich weniger Daten als bei Koffein.
  • In der EU fällt Theacrine wie Paraxanthin unter die Novel-Food-Verordnung und darf deshalb aktuell nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden.
Kein Einnahmehinweis

Theacrine ist ein aktiver Wirkstoff und kein neutrales „Brainfood“. In der EU ist der Verkauf als Nahrungsergänzungsmittel derzeit durch die Novel-Food-Verordnung nicht erlaubt. Dieser Text ordnet die Studienlage ein und ist keine Kauf- oder Einnahmeempfehlung.

Theacrine gehört zu den Stoffen, die vor allem in der Nootropika-Szene auftauchen, obwohl die Verbindung ursprünglich aus einer eher ungewöhnlichen Teepflanze stammt. Chemisch ist Theacrine ein Purin-Alkaloid und eng mit Koffein verwandt. Der Stoff kommt vor allem in Kucha-Tee vor, einer wilden Form der Teepflanze Camellia kucha.

Der Grund für das Interesse an Theacrine ist schnell erklärt: Viele Nutzer suchen nach einem koffeinähnlichen Effekt, aber ohne das typische Auf und Ab aus Energieanstieg und anschließendem Tief. Genau hier setzt die Forschung an. Theacrine wirkt an ähnlichen biologischen Systemen wie Koffein, unterscheidet sich aber in einigen Punkten deutlich.

Was ist Theacrine eigentlich?

Theacrine trägt den chemischen Namen 1,3,7,9-Tetramethylharnsäure und besitzt die Summenformel C₉H₁₂N₄O₃. Strukturell gehört es zur Gruppe der Purinverbindungen, zu der auch bekannte Stoffe wie Koffein zählen.1

Interessant ist vor allem seine Herkunft. Während Koffein in Kaffee, Tee und Kakao weit verbreitet ist, findet man Theacrine besonders in Kucha-Tee. Dort kann der Stoff einen relevanten Anteil der Inhaltsstoffe ausmachen. In gewöhnlichem Grün- oder Schwarztee spielt Theacrine dagegen kaum eine Rolle.

Wie könnte Theacrine im Körper wirken?

Die Forschung zu Theacrine konzentriert sich vor allem auf zwei Bereiche: Energiegefühl und Wachheit sowie mögliche Effekte auf Motivation und Konzentration.

Ähnlich wie Koffein beeinflusst Theacrine das Adenosin-System. Adenosin ist ein Botenstoff, der im Gehirn unter anderem mit Müdigkeit verbunden ist. Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass Theacrine Dopamin-Signalwege beeinflussen kann. Diese Kombination könnte erklären, warum der Stoff von manchen Anwendern als anregend, aber weniger „nervös machend" beschrieben wird als Koffein.

Ein maßgeblicher Unterschied zu Koffein scheint darin zu liegen, dass sich die Gewöhnung langsamer entwickelt. Eine placebokontrollierte Studie über acht Wochen mit 60 Teilnehmern fand bei bis zu 300 mg täglich keinen Hinweis auf die Toleranzentwicklung, die für klassische Stimulanzien wie Koffein typisch ist.2

Genau dieser Punkt macht Theacrine für viele interessant: ein Wirkstoff, der nicht einfach nur stärker stimuliert, sondern sich anders anfühlt. Die Datenlage dazu ist allerdings noch deutlich kleiner als bei Koffein, das seit Jahrzehnten untersucht wird und zu den am besten erforschten psychoaktiven Substanzen überhaupt gehört. Bei Theacrine stammen viele Erkenntnisse aus kleineren Studien, Laboruntersuchungen oder Tiermodellen.

Was sagt die Forschung zu Leistung und Fokus?

Studien mit Theacrine untersuchen unter anderem Müdigkeit, körperliche Aktivität, kognitive Leistung und Entzündungsprozesse. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 fasst die bisherige Forschung zusammen und beschreibt Effekte auf Aufmerksamkeit, Energiegefühl, Entzündungsprozesse und den Fettstoffwechsel. Gleichzeitig betont sie, dass die Ergebnisse nicht in allen Bereichen einheitlich sind und weitere Studien nötig sind.1

Eine frühe Pilotstudie verglich 200 mg Theacrine mit Placebo bei 15 gesunden Erwachsenen in einem randomisierten, doppelblinden Crossover-Design. Die vorläufigen Daten sprachen für ein verbessertes subjektives Energiegefühl und einzelne Aspekte der mentalen Leistungsfähigkeit.3

Eine weitere Studie verglich ein theacrinhaltiges Supplement mit reinem Koffein und Placebo bei 20 jungen Erwachsenen. Bei den objektiven kognitiven Tests und der Reaktionszeit zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Die Teilnehmer bewerteten sich unter dem theacrinhaltigen Supplement aber als aufmerksamer, wacher und fokussierter und als weniger träge und benommen als unter Koffein oder Placebo.4

Theacrine und Koffein: ähnlich, aber nicht gleich

Der Vergleich mit Koffein liegt nahe. Beide Moleküle gehören zu den Purin-Alkaloiden und beeinflussen Systeme rund um Wachheit und Energie. Trotzdem unterscheiden sie sich in ihrer Wirkung.

Koffein blockiert vor allem Adenosinrezeptoren und führt dadurch häufig zu einem schnellen Anstieg der Wachheit. Theacrine scheint zusätzlich andere Signalwege zu beeinflussen und wird deshalb oft als etwas gleichmäßiger wahrgenommen.

Persönliche Einschätzung

Meine persönliche Vermutung ist außerdem, dass Theacrine selektiv antagonistisch auf die A2A-Adenosinrezeptoren wirken könnte, was zu einer stärkeren dopaminergen Wirkung führen würde. Das ist ausdrücklich meine eigene Hypothese und keine belegte Aussage der zitierten Studien.

Ob Theacrine für jeden besser geeignet ist, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Manche Menschen reagieren sehr gut auf Koffein, andere bekommen Unruhe, Herzklopfen oder Schlafprobleme. Auch Theacrine ist ein aktiver Wirkstoff und kein völlig neutrales „Brainfood“.

Nebenwirkungen und praktische Einordnung

Theacrine wird häufig als Alternative zu klassischen Stimulanzien vermarktet, und ich finde das durchaus interessant. Trotzdem sollte man die Erwartungen realistisch halten, gerade weil die Langzeitdaten beim Menschen begrenzter sind als bei Koffein.

In Untersuchungen wurden unter anderem Dosen im Bereich von Supplement-Anwendungen betrachtet. Eine Studie zu entzündungshemmenden und schmerzlindernden Effekten arbeitete beispielsweise mit 8 bis 32 mg/kg in Tiermodellen, was nicht direkt auf Menschen übertragbar ist.5

Für den Alltag bedeutet das: Theacrine ist ein interessanter Wirkstoff mit einem plausiblen Mechanismus, vor allem für Menschen, die Koffein nicht gut vertragen oder nach einer anderen Form von Stimulation suchen. Subjektiv ist es deutlich weniger intensiv, weshalb es oft eher zusätzlich zu Koffein statt als Ersatz genutzt wird. Meiner Meinung nach ist aber auch die Kombination aus Theacrine und Paraxanthin besonders interessant.

Wichtig zu wissen: Aktuell fällt Theacrine, genau wie Paraxanthin, in der EU unter die Novel-Food-Verordnung und darf daher nicht von Shops innerhalb der EU vertrieben werden.

Einordnung

Tatsächlich gezeigt ist ein plausibler, mit Koffein verwandter Mechanismus und ein wiederkehrendes Signal aus kleinen Humanstudien, dass Theacrine subjektiv anders wirkt und seltener zu rascher Toleranzentwicklung führt als klassische Stimulanzien.

Überinterpretiert wird der Stoff, wenn man ihn als grundsätzlich sanftere oder risikoärmere Alternative zu Koffein versteht. Auch Theacrine ist ein wirksames Stimulans, und die objektiven kognitiven Effekte sind in den bisherigen Studien deutlich schwächer belegt als die subjektiven.

Was fehlt: größere, unabhängig wiederholte Humanstudien, objektive Daten zu Langzeitgebrauch jenseits von acht Wochen, und eine Klärung, ob die A2A-Rezeptor-Hypothese – hier ausdrücklich als persönliche Einschätzung markiert – zutrifft.

Wo die Datenlage endet

Die verfügbaren Humanstudien sind klein (15 bis 60 Teilnehmer), teils nur als Konferenz-Abstract veröffentlicht und stammen überwiegend aus einem überschaubaren Kreis an Forschungsgruppen. Unabhängige Replikation mit größeren Stichproben und objektiven Leistungsmaßen fehlt bisher.

Quellen

  1. Sheng YY, Xiang J, Wang ZS, et al. (2020): Theacrine From Camellia kucha and Its Health Beneficial Effects. Frontiers in Nutrition 7, 596823. DOI: 10.3389/fnut.2020.596823. ↩ 1 ↩ 2
  2. Taylor LW, Mumford PW, Roberts MD, et al. (2016): Safety of TeaCrine®, a non-habituating, naturally-occurring purine alkaloid over eight weeks of continuous use. Journal of the International Society of Sports Nutrition 13, 2. DOI: 10.1186/s12970-016-0113-3. ↩ zurück zum Text
  3. Habowski SM, Sandrock JE, Kedia AW, Ziegenfuss TN (2014): The effects of Teacrine™, a nature-identical purine alkaloid, on subjective measures of cognitive function, psychometric and hemodynamic indices in healthy humans: a randomized, double-blinded crossover pilot trial. Journal of the International Society of Sports Nutrition 11(Suppl 1), P49. DOI: 10.1186/1550-2783-11-S1-P49. ↩ zurück zum Text
  4. Kuhman DJ, Joyner KJ, Bloomer RJ (2015): Cognitive Performance and Mood Following Ingestion of a Theacrine-Containing Dietary Supplement, Caffeine, or Placebo by Young Men and Women. Nutrients 7(11), 9618–9632. DOI: 10.3390/nu7115484. ↩ zurück zum Text
  5. Wang Y, Yang X, Zheng X, Li J, Ye C, Song X (2010): Theacrine, a purine alkaloid with anti-inflammatory and analgesic activities. Fitoterapia 81(6), 627–631. DOI: 10.1016/j.fitote.2010.03.008. ↩ zurück zum Text